Montag, 20. April 2015

"Auf, auf und davooooon!" - Sawadee Thailand :)

"So. Meine Jacke lass' ich definitiv hier", freut sich Lara, die in Nepal 25 Stunden am Tag ihre Daunenjacke trägt. "Die brauchst du ja auch nicht" stellt Ronja fest... Denn, unsere lieben Leute, wir haben uns an Silvester dazu entschlossen, noch in ein anderes Land zu reisen!!!:)
 Die Entscheidung dazu ereignete sich ungefähr wie folgt:

Morgens, halb zehn in Nepal, Kathmandu: Lara setzt sich im Bett auf: "Ey, lass doch echt nochmal in ein anderes Land reisen. Ich meine... so ein bisschen Strand und Wärme wären schon nicht schlecht!" - "Stimmt, lass nachher mal nach Flügen schauen!" 
Wenig später sitzen wir - wie sollte es anders sein wenn wir gutes Netz brauchen?! - bei Himalayan Java, gönnen uns herrlich duftenden Limonengrastee und studieren die Weltkarte... Was liegt in der Nähe von Nepal? Welche Flüge sind günstig? Für welches Land brauchen wir bestenfalls kein Visum, oder nur ein geldbeutelsparendes? Goa? Kalkutta? Indien wäre super!!! Oder doch Thailand...? Auf 'ne Insel? Oder mitten nach Bangkok ins pulsierende Leben? ...
Am Ende des Tages haben wir uns, man glaubt es kaum, entschieden, Flüge und eine erste Unterkunft sind gebucht....und unsere Eltern informiert. :D
Es soll Mitte Februar für zwei Wochen nach Thailand gehen! Anschließend möchten wir in Nepal noch ein paar kleinere Orte besuchen, ehe es Ende März auch schon gen Heimat geht... Ab  diesem Tag ist der Countdown bis zum 14. Februar gestellt und wir freuen uns riesig!!! :)

Wir können es umso weniger glauben,  als der Tag dann endlich gekommen ist! In weniger als einer halben Stunde haben wir Bikini und sämtliche Tshirts (viele sinds ja nicht) gepackt. Da das alles fast nichts an Platz wegnimmt, entscheiden wir uns für einen gemeinsamen Rucksack! :) 
Wir verlassen unsere Unterkunft mit knapp 10 Kilogramm Gepäck und finden es total komisch, dem Taxifahrer zu erklären,  dass wir zum "Airport" wollen... Nepal nach 3, 5 Monaten verlassen und in ein anderes Land reisen? Wieder eine völlig neue Kultur kennenlernen, eine ganz neue Umwelt erleben? Sonderbar! Wir haben uns schon so an Nepal gewöhnt, dass es sich in dem Moment, in dem wir den Flughafen betreten, echt eigenartig anfühlt!
 Trotzdem freuen wir uns wie Bolle auf Thailands Sonne, Essen und Strände! Auf die lange Reise dorthin freuen wir uns weniger. Wir fliegen über Mumbai nach Bangkok. Aufenthalt in Mumbai: 7 Stunden.  Aber heeey, kein Ding... Beim Rückflug werden es 14 sein. Angekommen in Mumbai wundern wir uns über KFC und Pizza Hut, weil es diese Restaurants in Nepal nicht gibt und es echt ungewohnt für uns ist, das wieder zu sehen. Mit ner großen Portion Pommes heißt es nun: durchhalten bis um halb zwei nachts, da geht's nämlich weiter. Und wie schlägt man am besten die Zeit bis dahin tot, wenn man den Flughafen nicht verlassen darf und der Transitbereich so klein ist, dass man nicht mal zehn Minuten alles gesehen hat? Richtig, man trifft einen Amerikaner, der das gleiche Reiseziel hat. Name: Kyle, Alter: 22. Wir kommen also  ins Gespräch und erfahren, dass Kyle in seinem jungen Alter der amerikanischen Army schon vier Jahre gedient hat. Er war sogar für viele Monate in Afghanistan und Bagdad stationiert... Wir finden das irgendwie total krass... Aber auch wahnsinnig interessant, von jemandem, der vor Ort war, Berichte zu hören! Und so stellen wir viele Fragen zum Krieg in Afghanistan, Kyles persönlichen Erlebnissen und seinem Umgang mit Leid und Tod. Es ist eben immer wieder beeindruckend, was für Menschen man auf Reisen kennenlernt... Wir drei haben kurzerhand beschlossen, von nun an zusammen in Thailand zu reisen! :)
In Bangkok gelandet und ziemlich müde, freuen wir drei uns also auf eine ruhige, dreistündige Busfahrt nach Hua Hin! Doch Pustekuchen :D Der nächste Bus fährt um 17:30 Uhr und jetzt ist es gerade mal kurz vor 12!!! Plan B: eine Stunde mit dem Taxi in die Stadt und einen anderen Bus vom Victoria Monument aus nehmen! Mit den Taxis ist es in Bangkok jedoch nicht so wirklich einfach. Zuerst muss man sich in eine lange Reihe stellen, um seine Taxinummer zu ziehen... Etwas genervt sind wir nun schon. :D Anschließend sucht man den Taxistand mit der gezogenen Nummer, wartet dort aufs Taxi, steigt ein und zahlt einfach den Preis, den der Fahrer nennt. Mit den Taxipreisen in Nepal ist das aber leider gar nicht zu vergleichen...:D In der Stadt angekommen geht dann alles recht flott und wir sitzen bald im Bus, der uns nach Hua Hin bringt. Unfassbar wie entspannt eine lange Fahrt doch sein kann, wenn der Bus noch keine 40 Jahre alt, mit funktionierenden Bremsen ausgestattet und die Straße ebenmäßig ist! Hua Hin ist der älteste Badeort Thailands und der Ort der Sommerresidenz des thailändischen Königs und seiner Familie. Die kleine Stadt liegt 185 Kilometer südwestlich von Bangkok, direkt am Golf Thailands! ...Was uns natürlich ganz besonders freut! :)
Im Hotel (hier bekommt man ebenso viel für wenig!) angekommen, flachst Lara sich erstmal gediegen aufs Bett während Ronja völlig enthusiastisch alles in den vorhandenen Schrank (!!!!!!!!) füllt. Anschließend unternehmen wir mit Kyle, der im Hostel nebenan eingezogen ist, nur noch einen kurzen Sprint ins Meer und freuen uns dann auf eine riesige Portion Schlaf! 
Der nächste Tag startet mit Porridge, Toast und - wer hätt's gedacht - weichen Eiern. Nach dem schon bald obligatorischen Gang zum Supermarkt "7Eleven", wird's dann aber schleunigst Zeit für Sonne und Meer! Ronja cremt sich mit 15er-Sonnencreme ein ("Wird schon reichen!"), Lara ist etwas vorsichtiger und versucht es mit einer 30er, die wir ebenfalls in Nepal noch schnell besorgt haben. Am Ende des langen Tages in der prallen Mittagssonne, stellt Lara im Zimmer jedoch fest: "Scheiße, ich bin verdammt rot!" Und so fühlt es sich auch an. Sie informiert sich über "Lichtschutzfaktor 30" und stellt mit riesiger Empörung fest: "Wusste ich's doch! Laut Berechnungsskala dürfte ich keinen Sonnenbrand haben". Sie macht ihrem Ärger laut Luft... Und möchte die nepalesische Cremefirma am Liebsten verklagen, merkt jedoch gleichzeitig, dass Ronja fast verschont wurde. Erneutes Fazit von Lara also: "Mein Glück mal wieder." :D Die nächsten Tage verflucht sie regelmäßig die Toilette, die sich zwei Etagen unter uns befindet und für deren Weg ihre Fortbewegung einem "Oppa" gleicht :D Lara beschließt an diesem Abend: "Die nächsten Tage bringt mich keiner mehr in die Sonne." Und so ist es auch... die nächsten zwei Tage verbringt sie wie ein gestrandeter Wal auf dem Bett. Ronja mutiert morgens und abends zur Pflegekraft, schmiert sämtliche Gele auf die blasige Haut und versorgt ihren Schatz mit Essen, Kaba ausm Tetrapack, Orangensaft und dem Hauptnahrungsmittel Nummer 1: Eis! Tagsüber geht sie mit Kyle also alleine zum Strand, lässt sich ordentlich brutzeln und wird tatsächlich richtig schön braun. :)
Nach ein paar Tagen wagen wir uns - Lara diesmal mit 50er Sonnencreme bestückt - wieder gemeinsam aus dem Haus! Es geht nach Khao Takiab, dem Affenberg im Nachbarort. Der Affenberg ist ein herrlicher Aussichtspunkt und zugleich ein buddhistisches Denkmal. Neben dem Affenberg befindet sich ein weiter Strand, auf dem wir es uns erst mal gemütlich machen. Hier kann man wirklich locker 100m ins Meer laufen, ohne dass das Wasser auch nur bis zur Hüfte reicht!!! Nach einiger Zeit und einer kleinen Stärkung (lecker Seafood für unsere Nicht-Vegetarierin!), wagen wir uns tatsächlich in der drückenden Hitze und bedeckt auf den Berg... Wir sind froh, als wir endlich alle Stufen geschafft haben! Der Tempel, der am Gipfel zu besichtigen ist, erweist sich als kleiner "Fail", da er nur aus weiter Ferne zu betrachten und noch dazu verdammt klein ist...eigentlich ist er nur ein winziger Schrein. :D Ganz umsonst war die Mühe trotzdem nicht, denn der Ausblick auf das Meer und die umliegenden Strände ist hier oben wirklich schön! Das muss mit einem dritten Eis belohnt werden! :) Doch Obacht!!! Bis zum Strand muss das Eis unter unserem Shirt versteckt werden! Denn wie der Name "Affenberg" schon sagt, bewohnen einige mehr oder weniger aggressive und gaunernde Affen diesen Berg...immer auf der Lauer nach Sandwiches, Obst oder Eis :D In Sicherheit dann genießen wir unser Eis und kühlen uns ab :) Zurück nach Hua Hin geht's mit dem TucTuc, das hier im Vergleich zu den nepalesischen ne wahre Luxuskarre ist! 
Wenn wir tagsüber nichts zusammen mit Kyle gemacht haben, treffen wir uns abends und sprechen beim Abendessen über Amerika, Deutschland, seinen Trek aufs Everest Basecamp, unsere Erlebnisse und den Tag :) Eines Abends beschließen wir drei, den "Nightmarket" in Hua Hin zu besuchen! In Thailand wimmelt es nur so von Märkten! Und besonders beliebt sind eben die zahlreichen Märkte, die beginnen, wenn die Dämmerung eintritt und die halbe Nacht andauern :) Thailands Märkte sind richtige Bazare! So kann man Kleidung, Schnitzereien, Spaßartikel, Badezeugs, Schuhe, Souvenirs, feinste Früchte und selbstverständlich jede Menge Seafood kaufen. Von letzterem ist Ronja total begeistert, denn sie liebt Shrimps und Krebsfleisch - ob paniert, frittiert, gekocht oder angebraten! Lara hingegen ist davon weniger angetan, beschwert sich über die vielen toten Meerestiere, die hier ausliegen und greift auf Käsecrepé und Fruchtsmoothie zurück :) So sind wir zwei, eigentlich grundverschieden... Allermeistens aber ein super Team! :)
Nun... Kyle möchte noch einige Tage in Bangkok verbringen, weshalb er uns ein paar Tage bevor wir wieder nach Nepal fliegen, verlässt. Thailands von Touris überlaufene Hauptstadt Bangkok hatten wir eigentlich nicht geplant... Wir entschließen uns dann aber doch dazu, zumindest eineinhalb Tage und eine Nacht dort zu verbringen :) Also fahren wir im Minivan zurück nach Bangkok, stillen den Hunger erstmal mit KFC-Pommes und Heißer Schokolade und fahren in die Khao San Road. Die Khao San Road ist eine mega bekannte Straße in Bangkok und anscheinend auch über die Landesgrenzen hinweg berühmt! Jeder, der nach Thailand reist, besucht diese Straße, sodass man hier so vielen anderen Rucksackreisenden aus aller Welt begegnet und praktisch die gesamte Vielfalt an Weltbewohnern hier in einer nur etwa 400m langen Straße anzutreffen ist! :) Natürlich wimmelt es hier nur so vor Restaurants, Kneipen, Clubs und Geschäften, die von Thais geführt werden... Rund um die Uhr kann man hier an zahlreichen Straßenständen billige Kleidung kaufen, sich tätowieren lassen oder munter durchfuttern! Und das machen wir besonders gerne, denn was wir auf unserer Reise gelernt haben, ist, dass Essen von der Straße prinzipiell am Besten schmeckt!!! Wir kaufen also nochmal ordentlich ein (schließlich ist im Rucksack ja noch Platz!) und essen in einem thailändischen Schuppen etwas außerhalb zu Abend :) Die Nacht verbringen wir in einem der günstigen Hostels. Es dauert etwas, bis wir den versteckten Eingang zum Hostel gefunden haben. Freunde. :D Wir zwei wollten ja schon immer mal eine Nacht zum Spaß in der JVA verbringen und wissen, wie es ist, in einer Zelle zu schlafen... Diese Erfahrung dürfen wir allerdings schon heute machen - und das, ohne in einem Gefängnis zu sein! Wir laufen zig Wendeltreppen nach oben in den obersten Stock und beziehen unsere Zelle... Fenster gibt es keine, nur behagliche Gitterstäbe... Hier steht ein Holzgestell, das wohl ein Bett sein soll :D Eigenartige Krabbeltiere hausen unter unseren Kopfkissen und die Waschbecken auf dem Flur, die für den gesamten Stock sind, funktionieren ungefähr kaum... Zimmertemperatur: 40 Grad! Schreit ja geradezu nach einer lustigen Nacht! :D Diese Nacht geht als eine der heißesten, lautesten und einfach scheußlichsten Nächte in unsere Reisegeschichte, das steht fest! Aber heeeey, wir habens überstanden! Am nächsten Morgen packen wir unser Zeug wieder in den Rucksack und treten die Weltreise zum Flughafen an. Den wohl längsten Zwischenaufenthalt von 14 Stunden in Mumbai überstehen wir irgendwie auch noch, auch wenn Schlaf im hell beleuchteten, lauten Transitbereich des Flughafens nicht möglich ist... Zurück in Kathmandu verlängern wir unser Visum noch einmal um einen Monat... Dann legen wir uns ins Bett und schlafen den Schlaf der Gerechten :)
Das war unser Abstecher nach Thailand! Über Hua Hin sagen wir im Nachhinein: "Ganz nett, aber eher ein Seniorenstädtchen, ein Ort zum Chillen" :D In Bangkok war schon deutlich mehr los, auch wenn wir im Prinzip Nichts gesehen haben... Wir sind uns sicher, dass es in Bangkok ganz viele sehenswerte Sachen gibt und würden uns freuen, irgendwann wiederzukommen und dann länger zu bleiben... Dennoch haben wir die kurze Zeit in Thailand total genossen und es uns gut gehen lassen! Die extrem hohen Stimmen der Thai-Frauen werden wir so schnell nicht vergessen (:D), den Blick auf das offene Meer, das gute Essen und das viele Eis vermissen... Aber ehrlich? Nepal hat total gefehlt. Und wir haben uns so krass auf die Rückkehr in diese momentane Wahlheimat gefreut!!! :)
Nun zeigen wir euch noch ein paar Fotos von unserem Trip! 

Hier hat Lara sich ihren Sonnenbrand zugezogen :D 

Khao Takiap 

Blick auf den Affenberg 

Ein paar der unzähligen Stufen, die wir bei unmenschlicher Hitze erklimmen... Tschakka!!! 

Eine riesige Buddhastatue am Fuß des Bergs 




Der Tempel. Reinfall Nummer 1 :D 

Sport mit lebendigen Gewichten! 

:D Da war der Selbstauslöser wohl schneller! :D 

Mittwoch, 8. April 2015

Wir malen uns die Welt, wie sie uns gefällt... :)

Es heißt mal wieder "Namaste!" :) Das kalte, triste Wetter möchten wir gerne dazu nutzen, Euch mit diesem Beitrag etwas Farbe und gute Laune zu schenken! :)

Wir erzählen Euch heute etwas vom Holi Festival! :) Es ist das Fest, an dem mit Farbpulver gesprüht wird, während feierwütige Partypeople zu lauter Musik tanzen; einige kennen das sicher...  Allerdings geht's bei dem Holi Festival, an dem wir teilgenommen haben, nicht nur ums steilgehen; der Ursprung des Festes liegt in Südasien, in Indien und dem südlichen Nepal - weshalb auch dieses Fest wieder spirituellen Charakter hat :)
Holi ist ein hinduistisches Fest, das jedes Jahr am ersten Vollmondtag im Monat Phalgun, also Februar/März, in ganz Indien und Nepal gefeiert wird. An diesem Tag gebührt man dem Sieg des blühenden Frühlings über den kalten, lähmenden Winter. Allgemeiner: Man feiert den Sieg des Guten über das Böse :) Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses farbenfrohen Festes in Nepal ist der Akt der Versöhnung. An diesem Tag feiern alle Nepalis zusammen; die leider immer noch bestehenden gesellschaftlichen Schranken zwischen Kasten und Geschlechtern scheinen sich zumindest für einen Tag (größtenteils!) zu öffnen. Wir waren mittendrin! :)

Bereits einige Tage vor dem ersten Vollmondtag, der in diesem Jahr am 5. März ist, werden lauter Säcke voller Farbpulver auf den Straßen Kathmandus verkauft. Früher wurden die Farben übrigens rein biologisch aus Kräutern, Blüten und Früchten gewonnen... Mittlerweile handelt es sich meist um synthetisch gefärbte Pulver... Wir freuen uns bereits seit knapp vier Wochen auf den 5. März, da uns schon viel über diese Riesenparty erzählt wurde - und wir natürlich jede Gelegenheit zum Feiern nutzen! :D
Am Vorabend suchen wir aus unserem spärlichen Rucksackinventar die Kleidung raus, die morgen so richtig schön eingesaut werden darf... Ein Glück besitzt Lara noch ihr weißes Shirt mit dem schönen Kakaofleck! 
Am Morgen des großen Tages steht erstmal das tägliche "Eierorakel" an :D Lara frühstückt täglich Toast mit "HARDboiled eggs". Dass die Eier hart sein sollen, wird extra deutlich betont und am besten noch dreimal wiederholt... denn: So ziemlich immer sind die Eier weicher als weich. Und je weicher das Ei, desto grimmiger Laras Gesichtsausdruck und desto lauter Ronjas Gelächter. Folge: der Tag startet witzig und kann nur noch witziger werden. :) Die Konsistenz der Eier an diesem Morgen? Das Eiweiß läuft zwischen Laras Fingern hindurch, das Ei ist nahezu roh. Das "Eierorakel" ist heute also vielversprechend! :D
Nach dem Frühstück laufen wir im Kakaofleckshirt los... Es geht zum Basecamp, einer Unterkunft, in der wir nun auch schon häufiger waren und fast schon so etwas wie Freunde gefunden haben :) Blöd nur: der Fußweg ist lang. Und als Nicht-Nepali ist man ein gern gesehenes Opfer für die ersten Farbattacken :D Lara schreit plötzlich laut auf, als sie mit einer Wasserpistole abgeschossen wird und rennt weg! Ronja steht mal wieder auf ner extrem langen Leitung...und bekommt prompt den ersten Eimer kaltes Wasser ab :D Damit ist das Feuer eröffnet und wir werden mit Wasserbomben regelrecht bombardiert! Pitschnass kommen wir also im Basecamp an, treffen alte Gesichter wieder und liefern uns mit den Bewohnern anderer Häuser eine Wasserschlacht von Hausdach zu Hausdach! :D 
Die Hauptparty steigt später in Basantapur, auf dem Durbar Square Kathmandus! Nass und bereits gut farbig, laufen wir später zusammen auf den riesigen Platz... Unterwegs kommen uns immer wieder Menschen entgegen, die unsere Gesichter mit dem Farbpulver bestreichen und brüllen: "Happy Holi!" :) Auf dem Hauptplatz des Squares befinden sich bereits tausende Nepali: eine riesige Menge tanzt vor der großen Bühne, auf der ein DJ die Disks scretcht. Viele Weitere sitzen, liegen oder trinken gechillt ein Bier auf den Stufen der vielen Tempel, die sich hier befinden. Das Militär ist natürlich wieder präsent und steht einsatzbereit mit Messer, Schlagstock und Gewehr (kein Witz!) an allen Ecken... Mittlerweile ist es für uns kaum noch komisch, an so schwer bewaffneten Menschen vorbeizulaufen, selbst daran gewöhnt man sich irgendwie... Und wie wir später noch erleben sollen, wird so viel Militär hier auch wirklich gebraucht. Wir springen eine Weile in der Menschentraube vor der Bühne im Takt zur lauten Musik, danach brauchen wir ne Pause und trocknen uns auf den Stufen des Kamasutratempels :) Hier lernen wir direkt drei nepalesische Jungs kennen, die sich über deutsche und noch dazu bunte Mädels so freuen, dass wir für zahlreiche Fotos herhalten müssen. Da uns das schnell zu bunt (HaHa, es lebe der Wortwitz!) wird, sind wir froh über die Einladung einer kleinen, ebenfalls Nicht-Nepali-Gruppe, die unterhalb des Tempels steht und uns zu sich winkt :) Wir tanzen, springen und schwitzen eine ganze Weile mit den holländischen Goudaliebhabern (:D) in der Menge. So schön die Feierei hier aber auch ist... Immer wieder rastet ein Nepali aus und es kommt zu Schägereien... Ronja bemerkt einen jungen Nepali, der ein Taschenmesser aus seiner Jackentasche zieht und einem anderen Jungen den gesamten Unterarm aufschlitzt. Dieser flippt daraufhin total aus und prügelt wild auf den Anderen ein. Das Militär kommt nun (wie leider ziemlich häufig an diesem Tag) zum Einsatz, bahnt sich seinen Weg und schlägt die beiden mit ihren Schlagstöcken auseinander... Hier wird scheinbar Gleiches mit Gleichem bekämpft. Viele Nepalis trinken so viel, dass sie aggressiv werden und Prügeleien anfangen...  Das Militär prügelt dann irgendwie immer 'dazwischen', um (ironischerweise) eine Massenschlägerei zu verhindern... Das macht andere dann ebenfalls wütend, sodass der "Prügelkreislauf" perfekt wird :/ Der Sinn des Holi Festivals ist das leider überhaupt nicht!
Etwas friedlicher ist es am Rand :) Hier haben sich kleine Gruppen gebildet, die alle miteinander feiern. Die Leute bilden Kreise und feuern die zwei Tänzer in der Mitte an, man nimmt sich gegenseitig auf die Schultern und Schuhe werden erst ausgezogen und anschließend in die Luft geworfen... Jeder singt, jubelt, tanz und lacht! :)
Als wir später durch die vollen Straßen Thamels laufen, werden wir immer wieder angesprochen und gefragt, woher wir kommen. Unsere Antwort sorgt stets für Begeisterung und wieder mal werden wir auf den Weltmeistertitel angesprochen :D Kinder haben sich zu kleinen Gruppen zusammengefunden und warten nur darauf, uns mit den Wasserbomben abzuwerfen! Auch sollte man hier immer ein waches Auge nach oben haben, denn besonders witzige Hausbewohner, die sich selbst nicht auf die Straße trauen, schütten Eimer voll Wasser aus den Fenstern...genau dann, wenn wir unten stehen :D Sicher bekommen wir als "Touris" mehr ab... Aber an  diesem Tag kann uns kein Wasser der Welt etwas anhaben!
...im wahrsten Sinne des Wortes. Denn, so schön die bunte Farbe auch ist, irgendwann muss sie ab. Lara, die früher als Ronja zum Hostel zurückgeht, hat noch warmes Wasser, dass das Beseitigen des hartnäckigen Pulvers zumindest annähernd möglich macht... Ronja kommt einige Zeit später vom Feiern zurück... Das Wasser ist kalt. Wieder einmal :D Aber es hilft nichts, irgendwie muss das Zeug ab! Resultat: Es wird geschrubbt! Aber Farbflecken bleiben noch Wochen auf unserer Haut! Und Ronjas Haare glänzen noch heute, vier Wochen später, in der Sonne an einigen Stellen leicht pink und gelb. :D Ein tolles Andenken! Und ein Hoch auf synthetische Farben!!!
Der Tag des Holis gehört zu den schönsten, die wir in Nepal erleben durften... Der Einblick in dieses weitere Festival war fantastisch :) Abgesehen von den paar Irren, die meinen, die Bedeutung des Fests durch Kloppereien zerstören zu müssen, ist es großartig zu sehen, wie am Tag des Holi alle ZUSAMMEN auf die Straße gehen und feiern! Wie die Gemeinschaft eben über die bestehenden Gesellschaftsstände siegt :) 
Wir legen jedem, der einmal nach Nepal kommen möchte, ganz feste ans Herz, zur Zeit des Holis anzureisen!:)

So... Hoffentlich hat euch dieser kleine Einblick in ein weiteres Hindufest gefallen!:) Wir werden uns dann mal hinter den nächsten Nachtrag klemmen... 
Bleibt noch zu sagen: Eine schöne, frühlingshafte Woche für euch Alle!
Bis bald!:*

Ach ja: Wir haben ein tolles Video vom Holi 2015 gefunden! Wenn ihr möchtet, könnt ihr hier einige bunte Impressionen bekommen und sehen, wie genial an diesem Tag gefeiert wird :)

So starteten wir nach der Wasserschlacht im Basecamp zum Durbar Square! 


Mit den Nepalis auf den Stufen des Tempels :) 

:) 

Sonntag, 22. März 2015

Eroberung des ehemaligen Königreichs Bhaktapur! :)

 Hallo, ihr Sonnenfinstler, daheim in Deutschland... :)

Mensch, da gibt es mal eine Sonnenfinsternis, die in unseren Breiten zumindest teilweise sichtbar ist und Wir sind nicht da... Hoffentlich hattet ihr Glück und habt etwas vom Spektakel im Universum mitbekommen!:)
Wir melden uns schon wieder zurück! Mit einem kleinen, hoffentlich aber feinen Eintrag über unseren Besuch in Bhaktapur :)

Mittlerweile, so kann man wirklich sagen, haben wir in Kathmandu eigentlich alles gesehen, das man sehen kann... Wenn wir zu Fuß oder im Taxi unterwegs sind, erkennen wir die Ortsteile auf einen Blick; wir wissen, wo man abbiegen muss, um ne gute Tasse Tee zu bekommen und wo man besser nicht abbiegen sollte, da die Samosa in jener Ecke 20 anstatt 15 Rupien kosten. Die größten und eindrucksvollsten Tempel haben wir besichtigt... Sogar Einheimische erkennen uns auf der Straße und fragen sich, warum wir noch immer hier sind. :D Es wird also wirklich Zeit, die umliegenden Ortschaften zu erkunden!
Auf nach Bhaktapur! Bhaktapur ist nur einige Kilometer von Kathmandu entfernt und liegt auf einem Hügel. Es war einst ein kleines Königreich und gilt heute als die Stadt des alten Kunsthandwerks. Trotz geringer Entfernung (kaum 15km), brauchen wir etwa eine Stunde! Ihr könnt euch also vorstellen, wie es im local bus zugeht: Menschen steigen ein und aus, wann sie wollen. Der Bus wird immer voller und natürlich möchte immer genau DIE Person aussteigen, die in der linken Ecke der letzten Reihe sitzt. Die indische Folkloremusik dröhnt... Und trotzdem ist das Quietschen der abgenutzten Bremsbeläge auf dem staubigen Boden voller Schlaglöcher deutlich zu hören. Aber: Alles easypeasy! Wir kennen das ja schon...und betrachten amüsiert das bunte Treiben, während wir an nem Tetrapack "Real-Fruit"-Saft (Jaja, Is' klar!) nuckeln. :)
In Bhaktapur angekommen, wissen wir erstmal nicht genau, wohin. Wir wissen nur, dass wir den offiziellen Stadteingang umgehen möchten. Hier soll man nämlich ernsthaft 15$ Eintritt zahlen! Blöd nur, dass uns eine hilfsbereite Nepali zu genau DIESEM Eingang geleitet :D Wir machen kehrt und schleichen uns wenige Minuten später unauffällig durch einen anderen Eingang. Eroberung Bhaktapurs geglückt!!!
Erstmal suchen wir uns eine Bleibe, denn wir möchten mindestens eine Nacht hier verbringen! Wie bereits erwartet, finden wir direkt ein Hostel...denn jede zweite nepalesische Familie führt eine Herberge. Diese ist besonders urig und gemütlich: Im Erdgeschoss verkauft die Familie Holzschnitzereien, unter dem Dach lebt sie auf engsten Raum. Die beiden Stockwerke dazwischen sind für Gäste angedacht... Immer schmaler und steiler werdende Treppen führen nach oben, die Decken werden tiefer und der Boden knarzender... Auch hier feilschen wir besser als auf jedem Schwarzmarkt um den Preis - und zahlen schließlich 3€ pro Nacht :) 
Bhaktapur ist ebenso urig und klein, wie unsere Bleibe... Man spürt wirklich, dass dies einst ein Königreich war! Nicht nur, weil die Stadt von einer hohen Stadtmauer umgeben ist, sondern auch, durch die immer noch ursprüngliche Architektur. Die Farben Ocker, Braun und Orange dominieren, der Boden ist gepflastert, die Gassen schmal und voller kleiner Geschäfte. Hier erinnert so ziemlich alles an die Winkelgasse aus Harry Potter :) 
Wir befinden uns jetzt auf dem Durbar Square, der einen großen Teil der Fläche der Stadt beansprucht. Er ist wesentlich kleiner, als der Square in Kathmandu und wesentlich ursprünglicher, was man an den veralteten, nicht aber weniger verzierten Fassaden der zahlreichen Tempel sehen kann. Eine Gemeinsamkeit beider Squares: auch hier sind unfassbar viele Menschen! Und da wir schon mehrere Durbar Squares kennen, genügt uns auf diesem ein kleiner Rundgang... Dann schlendern wir durch die kleinen Geschäfte. Hier werden so viele handgeschnitzte Masken, die Götter darstellen, angeboten, dass wir uns wünschen, die maximale Kapazität unserer Rucksäcke noch nicht ausgeschöpft zu haben! Bhaktapur ist einfach ein riesiger Flohmarkt: An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken! :)
Ronja entdeckt eine Mandala- und Thankawerkstatt und schleift Lara mehr oder weniger hinein. In der Mitte des Raumes sitzt ein Nepali und malt mit einem sehr dünnen Pinsel ein Mandala. In der Ecke sitzt eine hellhäutige Frau, den Maler betrachtend. Wie sich herausstellt, kommt die Frau aus Münster. Vor zwei Jahren hatte sie die Schnauze voll vom hektischen Deutschland und beschloss, ein Sabbatjahr zur Selbstfindung in Nepal einzulegen (Übrigens ist das eines der am häufigsten genannten Motive der Menschen, die wir hier bereits kennengelernt haben: Weg vom Stress, rein ins spirituelle Projekt Nepal!). Dabei lernte sie den Maler kennen, der gerade vor uns sitzt: Madhu Krishna Chitrakar. Madhu hat in ihr etwas bewegt... Und dasselbe soll uns in dieser kleinen Werkstatt in Bhakatapur widerfahren :) 
Madhu ist in eine newarische Künstlerfamilie geboren. Seit Generationen lernen die Männer der Familie das Anfertigen religiöser Bilder - und so wurde es auch Madhu gelehrt! Heute gehört er zu den letzten zehn newarischen Mandala- und Thankamalern in ganz Nepal. 1991 war er das erste Mal für einen Workshop in Deutschland... Was er über Deutschland denkt? "Alles schnell, schnell! Besser langsam!" :D Seit diesem besagten Jahr, besucht Madhu Deutschland regelmäßig, um Workshops zu geben. Dabei ist es ihm nicht nur wichtig, technische Skills, sondern vielmehr die versteckte Botschaft der Mandalas zu vermitteln. Wir folgen Madhu in den dritten Stock, nehmen auf winzigen Hockern Platz, trinken eine gute Tasse Schwarztee und möchten möglichst viel über die "versteckte Botschaft der Mandalas" erfahren! Denn, um ehrlich zu sein, ist das, was wir bereits wissen, recht bescheiden ("Mandalas sind bunt und schön... Habe im Kindergarten immer welche gemalt!") Dabei, so Madhu, fände man durch Mandalas zum Ich :)
Wir versuchen, euch möglichst kurz zu erklären, was er damit meint: Ein Mandala ist kreisförmig und in verschiedene Teile aufgeteilt. Ebenso ist es mit unserer Existenz... Unsere Existenz ist "kreisförmig", da wir nach einem Leben in ein neues Leben geboren werden. Unsere Seele existiert ewig, sie stirbt nie. Die verschiedenen Teile eines Mandalas stehen für die verschiedenen Kosmen: der äußere Rand eines Mandalas ist, übertragen auf unsere Existenz, der Makrokosmos, also das Universum, das uns umgibt. Das Universum ist also keineswegs unendlich, sondern limitiert; sonst wäre das Mandala formlos und nicht kreisförmig. Die Limitation des Universums, also der äußere Kreis des Mandalas, ist die natürliche Grenze für den inneren Teil des Mandalas, den Mikrokosmos, der, übertragen auf unser Leben, die menschliche Existenz darstellt. Je nach Entwicklung des Geistes, kann sich der Mikrokosmos im Makrokosmos ausdehnen... Die Grenze des Makrokosmos ist jedoch vorgegeben und kann nicht überschritten werden. Der Grund und eine von zwei elementaren Regeln: Wir Menschen sind nur "Besucher" auf unserem Planeten. Wir haben das Recht, uns zu entfalten und zu entwickeln...die Grenzen des Universums dürfen wir aber nicht "berühren"; im weiteren Sinne dürfen wir dem Universum keinen Schaden zufügen.
Zurück zu dem Menschen als Mikrokosmos. Jeder Mensch ist ein Mikrokosmos, der sich durch den riesigen Makrokosmos bewegt. Somit ist jeder Mensch sein eigenes Zentrum. Wir haben bereits gesagt, dass sich der Mensch entwickeln kann... Dadurch wird sein Horizont erweitert, der Mikrokosmos dehnt sich aus. Schlussfolgernd bedeutet dies, dass sich der Mensch seine Grenzen selbst steckt, bzw. Grenzen stets als variabel zu betrachten sind. Jeder Mensch ist für seine geistige Entwicklung selbst verantwortlich, also auch für seine Grenzen, kurz: für den ihn umgebenden Raum. Jeder Mensch hat das Recht, in diesem Raum zu sein, wer er will. Und somit wären wir bereits bei der zweiten Regel, die, würde sich jedes Individuum daran halten, für Frieden auf der Erde sorgen würde: Da jeder das Recht hat, in seinem Raum zu sein, wer er will, darf man den Raum anderer Mikrokosmen nicht entern, die Persönlichkeit eines anderen also nicht beeinflussen wollen. 
Diese zwei erklärten Regeln sind nicht nur die Botschaft der Mandalas, sondern ebenso die Gesetze eines friedlichen Zusammenlebens auf der Erde. :)
Wir erleben während des Gesprächs mit Madhu wahnsinnig viele Aha-Momente! ... Und so nehmen wir nicht nur seine interessante Sichtweise über den Sinn des Lebens, Erkenntnisse über die weltliche Ordnung und die Aufforderung, uns bei allem etwas mehr Zeit zu nehmen, mit...sondern auch ein von Madhu mühevoll handgemaltes, ganz persönliches Mandala!!! :)

Den Tag lassen wir bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen, dann verziehen wir uns in unser windschiefes Zimmer :) Die Nacht verbringen wir bei absoluter Stille... Kein Hupen! Keine Pubmusik, die in unser Zimmer dröhnt... Es fühlt sich total strange an, in so einer leisen Umgebung zu schlafen!
Am nächsten Mittag fahren wir wieder mit dem local bus nach Kathmandu. Dort beziehen wir ein besseres Hostel (lokalisiert neben Thamels beliebtestem Rockschuppen, dem 'Purple Haze' :D)...und planen die nächsten Tage, bevor Laras Bruder Timo uns besuchen kommt! :) 

Dat war es erstmal von uns... Wir haben noch immer zwei Nachträge vorzunehmen, die definitiv in den nächsten Tagen online gehen! ...denn wisst ihr was? Wir befinden uns auf der Zielgeraden. In drei Tagen fliegen wir nach Hause... :)
Eine kleine Ankündigung: Wenn wir wieder zurück sind, wird noch ein Mal ein Abschlussbeitrag folgen! :)
Bis zum nächsten Nachhol-Beitrag...oder bis spätestens in Deutschland! :)

Namaste!

Der Blick auf den Square von der Dachterasse des Restaurants :) 



Einer der zahlreichen Tempel 

...ebenso...:D 

Einer der zahlreichen Handwerksgeschäfte :) 



Wir hätten uns nicht sattkaufen können!!!!!

Mal ne ernsthafte Frage: Wer hat im Koffer Platz für solch eine Maske?! 

Hier feiern wir oft: Im Purple Haze, der wohl besten Rockbar Nepals! :) 

...inmitten von feierwütigen Nepali! 



Montag, 16. März 2015

Tööööröööö...aus dem Chitwan-Nationalpark! :)

Heiligster Strohsack!!! Jetzt ist es schon über einen Monat her, dass wir von Pokhara zu unserer nächsten Station gereist sind... Und diesen Eintrag haben wir sooo lange vor uns hergeschoben, das ist fast schon peinlich. :D
Diesen Tag widmen wir also vollkommen den Erzählungen über unsere Zeit im Chitwan-Nationalpark :) 

Früh morgens geht es mit dem Bus los... Diesmal unser Ziel: die südliche Terainebene Nepals, der Chitwan-Nationalpark an der Grenze zum Norden Indiens. Dort möchten wir zunächst einige Tage in einer Lodge entspannen und Dschungelluft schnuppern, ehe danach unser nächstes Freiwilligenprojekt startet! Soweit zum Plan...
Wir kommen in Sauraha, einem winzig kleinen Dorf, das direkt am Eingang zum Park liegt, an. Wir steigen aus dem Bus...und das Geschrei geht los: "You need an accomodation? I know a lodge!" - "Rainbow Resort! Rainbow Resort! It's the best!" - "Take me!!" - "Need a taxi?" - 30 Nepalis stehen vor uns, halten Schilder in die Luft und brüllen, was die Stimmbänder hergeben :D Wir wissen allerdings schon, wo wir unterkommen werden, weshalb wir mit einem jungen Mann die holprige Fahrt zur Chitwan Gaida Lodge im Jeep antreten. Unsere Lodge liegt direkt am Fluss, der natürlichen Grenze zum Park, ist sehr gepflegt, verdammt gemütlich und familiär und erinnert uns an die Lodge, die wir vor etwa vier Jahren in Südafrika besucht haben :) 
Die ersten zwei Tage haben wir erstmal damit zu tun, uns an das extrem feucht-heiße Klima zu gewöhnen... Man merkt, dass Indien nicht weit entfernt liegt (Luftlinie etwa 20km). Wir wollen uns im Dorf umschauen und laufen mit dem Rucksack auf dem Rücken los. Was es über Sauraha zu sagen gibt? Hmm, nicht allzu viel. :D An der Parkgrenze ist wirklich ein Hotel an das nächste gebaut... Begibt man sich ins Dorfinnere, erinnert wirklich alles an Afrika: Strohhütten, Lehmboden, wenig Vegetation... Die Bewohner des Dorfes befinden sich entweder in ihren Hütten, um der Mittagssonne nicht ausgesetzt zu sein, oder schlafen auf dem Boden vor Ihrem Hütten. Trotz Hauptsaison laufen uns nur jedes Schaltjahr andere Touristen entgegen. Also endet die Dorfbesichtigung mit ausgiebigen Teetrinken in einem Nepalischuppen :)
Für den Sonntag haben wir uns für etwas Abenteuer entschieden! Der Nationalpark ist zwar für seine Vogelvielfalt bekannt...doch Hey, mal ehrlich: Was ist an Vögeln abenteuerlich?! :D Wir planen also eine Dschungeltour zu Fuß! Gekleidet im unauffälligen Naturfarbenlook (leuchtende Farben locken Wildtiere an) treffen wir auf Chris, einen waschechten "Saurahaner", der uns in den Dschungel begleiten wird. Wir denken an die Wanderung durch den afrikanischen Busch vor vier Jahren...Damals hatten die Ranger Gewehre zur Verteidigung dabei... Wir fragen Chris, doch er versichert uns, dass sein Bambusstock zur Verteidigung genüge. Klar, wir begegnen zu Fuß ja nur wilden Elefanten, Nashörnen...und es ist ja nicht so, als gäbe es im nepalesischen Busch Bengalische Tiger... 
Wir stechen in See... Erstmal geht es in einem "Kanu", oder vielmehr einer Nussschale (:D), einige Kilometer flussabwärts. Am Flussufer liegen Krokodile scheinbar dösend (vielleicht aber auch auf der Lauer?) herum. In diesem Fluss leben zwei Arten von Krokodilen: ausschließlich fischfressende Krokodile und welche, deren Leibspeise deutsche Mädchen sind. Ein Spaßvogel ist er, unser Chris! :D Wir schippern an kleinen Dörfern vorbei, deren Häuser aus Schlamm, Tierdung und Gras gebaut werden und angeblich sogar den Regenfällen des jährlichen Monsuns trotzen. Am Flussufer waschen Dorfbewohner Wäsche oder ihre Haare...nur wenige Meter von den nicht-nur-fischfressenden Krokos entfernt. Chris erzählt uns, dass die Tiere des Nationalparks nachts ihre Trampelpfade durch den Wald einschlagen, durch den Fluss laufen oder schwimmen und ins Dorf marschieren. Dort sind sie glücklicherweise friedlich... Meist knabbern sie dort nur an Büschen und Bäumen, ehe sie kurz vor Sonnenaufgang ebenso leise verschwinden wie sie gekommen sind :) Wir stoppen nun und steigen aus unserer Nussschale. Von hier aus laufen wir quer durch den Busch zurück zum Ausgangspunkt. Chris zeigt uns zunächst einige Signale, die er uns geben wird, sollten wir in eine brenzlige Situation kommen. Sollten wir also einem aggressiven Elefanten begegnen, so heißt es: umdrehen und gebückt fortlaufen. Schwieriger und sportlicher wird es, falls wir wütenden Nashörnern begegnen sollten... In diesem Fall hilft nur: Rennen und sich einen geeigneten Baum suchen, auf den man mindestens drei Meter klettern kann, genial! Vor Tigern muss man übrigens nicht allzu große Angst haben, da sie sehr menschenscheu sind. Ein zweiter nepalesischer Führer läuft das uns umgebende Gebiet kurz ab, die  Luft scheint rein zu sein und wir laufen schweigend und in einer Reihe hintereinander los. Unsere Ranger suchen das gegenüberliegende Flussufer nach Nashörnern ab, können aber leider keines erspähen... Chris bleibt immer wieder stehen, lauscht und versucht, Spuren auf dem sandigen Boden zu entdecken... Er deutet auf eine Spur: "Das ist ein noch recht frischer Tigerfußabdruck. Er stammt entweder von gestern Abend oder heute Morgen..." - Wow, denken wir uns!!! Wir sehen 'spotted deers', das ist eine Art Hirsch. Nach dieser Beobachtung laufen wir weiter durchs dichte Gewächs - und stören dabei einen Raubvogel, der sein soeben erledigtes Opfer, einen Truthahn, genießt. Wir ziehen weiter, vorbei an dem Schädel eines deers, das vor allem von Tigern bevorzugt wird; es knirscht überall, manchmal scheint die Luft zu vibrieren... Im Dschungel ist es sehr feucht und stickig, plötzlich interpretiert man in jedes Geräusch etwas rein, sodass man froh ist, wenn man merkt, dass die Geräusche meist durch wilde Hühner verursacht werden. Wir laufen etwa eine halbe Stunde gedankenverloren durch den Wald, als Chris plötzlich das Zeichen "Stop" gibt. Wir halten an und lauschen... Der zweite Ranger ohne Namen läuft wieder vor und tatsächlich: In unmittelbarer Nähe befinden sich zwei Nashörner, ein Weibchen und ein Männchen! Chris läuft vor, wir ihm hinterher... Man sollte meinen, im Dschungel pirsche man sich leise und vorsichtig an Wildtiere heran, doch offensichtlich nicht, denn Chris macht einen Lärm, dass man uns noch hundert Meter weiter hören muss. :D Wir stehen nun noch ungefähr 10-15m von den Rhinos entfernt... Sie setzen sich in Bewegung und scheinen uns zu wittern... Chris gibt nun das Signal zu laufen und rennt davon... Ronja schaut sich panisch um und findet keinen Baum, auf den sie klettern könnte! Doch zum Glück kommt es nicht dazu! Die Rhinos haben sich nicht weiter durch uns gestört gefühlt, was uns erleichtert :) Bei all der Aufregung haben wir allerdings kein Foto machen können... Wir laufen nun in die Richtung, die Chris einschlägt, wenn er große Hoffnung hat, seinen Touris doch noch einen Tiger präsentieren zu können... Allerdings beträgt die Wahrscheinlichkeit, einen Tiger zu sehen, gerade mal 5%... Wir sehen eine sehr frische, noch deutliche Tigerfährte und folgen dieser, nachdem Chris sein Geschäft erledigt hat. Mittlerweile sind wir wirklich müde und sehnen das Ende unserer Tour herbei... Irgendwie arbeiten die Sinne im Dschungel weitaus mehr als in 'normalen' Gegenden, dieses permanente Auf-der-Hut-sein ist wahnsinnig anstrengend... Doch Chris erzählt uns munter ungefähr JEDES Detail über sämtliche Vogelarten... Wir fragen, was denn nun mit dem Tiger sei. Chris sagt, dass dieser nicht weit sein könne, er sich aber wohl irgendwo verstecke... Uns war ja eigentlich klar, dass wir zu den 95% gehören, die einen Tiger nicht zu Gesicht zu bekommen... Aber gewünscht haben wir es uns sooo sehr! 
Gegen 17:30, ganz kurz vor Beginn des Sonnenuntergangs, kommen wir müde, aber sehr zufrieden zurück in unsere Lodge. So ein Tag im Dschungel ist ein echt krasser Kontrast zu den vollen Straßen Kathmandus und ebenfalls zu den Bergen des Himalayas... Wir stellen wieder mal fest, wie vielfältig Nepal doch ist...
Am nächsten Tag gönnen wir uns nachmittags Milchshakes an der "Flussbar" :) Während wir auf Liegestühlen in der Sonne gammeln, hin und wieder einen Schluck des zuckersüßen Gebräus zu uns nehmen und nicht viel sprechen, fällt Ronja plötzlich etwas großes, graues ins Auge. Am anderen Flussufer steht tatsächlich ein wilder Elefant! Um so etwas zu sehen, braucht man eine ganze Schippe Glück! :)
Hier stechen wir mit der Nussschale in See :) 

Gestatten? Chris- unser Dschungelheld! 

Wer findet das Kroko? 

...hier sieht mans schon besser... :) 

Hier haben wir nach Nashörnern Ausschau gehalten :) 

Extra eingekringelt ;) Der Tigerfußabdruck!!!

Erneut packen wir. Leute, mittlerweile hängts uns mehr als nur zum Hals raus. Aber es gibt zwei Lichtblicke: 1. Wir werden immer schneller! 2. Wir müssen nicht mehr allzu oft all unseren Stuff zusammenraffen und in ne neue Unterkunft schleppen. :)
Heute startet unser zweites Freiwilligenprojekt! Ihr erinnert euch sicher daran, dass wir bereits im Waisenheim gearbeitet und etwas Englisch unterrichtet haben... Diesmal möchten wir nochmal in einen ganz anderen Bereich reinschnuppern! Wir werden auf einer Elfantenfarm arbeiten :) Ein mittlerweile guter Bekannter, Mangal, hat uns an diese Organisation vermittelt... Zu Fuß durchqueren wir also die Metropole Sauraha. Unsere Unterkunft diesmal...welch Überraschung: ein Waisenheim. Wir sprechen mit dem Organisationsvorsitzenden, den wir bisher nur durch Telefonate kennen. Da wir zwei durch unsere letzte Erfahrung als Freiwillige etwas skeptisch sind, haben wir bereits über das Telefon klären und wissen wollen, was uns genau erwartet. Uns wurde versichert, dass wir den Dickhäutern sehr nahekommen würden... Doch jetzt, wo wir im Büro des Vorsitzenden sitzen und mehr über unsere Arbeit erfahren wollen, ist es ihm sehr wichtig, dass wir das Geld für unsere Arbeit so schnell wie möglich zahlen. Aaalso zahlen wir. Wir wissen mittlerweile, dass es in Nepal üblich ist, für Freiwilligenarbeit zu zahlen... Übrigens stammen 40% des Finanzhaushalts Nepals aus dem Tourismus und Freiwilligenarbeit, weitere 40% stammen aus Spenden, die aus dem Ausland kommen. Zu der üblichen "Arbeitsgebühr" kommen noch die Kosten für die Unterkunft im Waisenheim und drei Mahlzeiten am Tag dazu: 9€ pro Person pro Nacht. Wir finden das schon etwas teuer, in Anbetracht der drei Mahlzeiten willigen wir aber ein. Der Typ, dessen Namen wir vergessen haben, erklärt uns, dass wir morgens von 6-8 und nachmittags von 17-19 Uhr arbeiten sollen. Die Arbeitszeiten finden wir schon mal eher weniger toll... Wir fragen uns, was wir in der langen Zeit dazwischen tun sollen, gibt es in Sauraha ja so wahnsinnig viel. :D Aber naja, wir lassen alles erstmal auf uns zukommen :)
Um 5:30 klingelt der Wecker. Wir quälen uns aus dem Schlafsack, den man hier abends wirklich braucht, ziehen was warmes ÜBER unseren Schlafanzug und steigen in unsere Trekkingschuhe, die wir zu Arbeitsschuhen umfunktionieren. Dann laufen wir etwa zehn Minuten durch das zappendustere, noch schlafende Dorf... Wie ihr ja wisst, befinden sich wilde Tiere bis zum Sonnenaufgang im Dorf, weshalb wir schon mit einem leicht mulmigen Gefühl über die holprigen, unbeleuchteten Feldwege stolpern... Doch wir kommen unbeschadet an der Elefantenfarm an! :) Eigentlich wird diese Farm ja "Aufzuchtstation" genannt, doch es handelt sich eher um eine Stallung für die Elefanten, in der sie schlafen, wenn sie nicht gerade Touristen durch den Dschungel tragen. Hier leben zurzeit neun Elefanten, darunter immerhin ein Elefantenkalb, das mittlerweile aber auch schon eineinhalb Jahre alt ist :) Jedes Tier hat seinen eigenen Unterstand und zwischen 10 und 15qm Platz... Wenn sie sich also hinlegen, ist das Ganze schon recht eng... Zur Sicherheit der Pfleger und Elefantenreiter, die auf demselben Gelände in kleinen Holzhütten schlafen, sind die Elefanten mit einer riesigen schweren Fußfessel angebunden. Die Elefantenreiter sind bereits damit beschäftigt, die Tiere für den Tag zu rüsten; sie werden gefüttert und bekommen den Käfig auf den Rücken geschnallt, in dem später die Touris Platz finden. Wir wüssten gerne, wie wir helfen können, doch leider spricht keiner Englisch, weshalb wir also mit dem Ausmisten der Ställe anfangen... Freunde. Wir sagens euch: Elefanten stuhlen viel. Täglich scheidet ein ausgewachsenes Tier etwa 50kg aus... Und diese 50kg mal 8 (hier leben ja 8 ausgewachsene Elefanten) sollen wir nun auf den einige Meter entfernten Misthaufen werfen. :D Es dauert etwas, bis wir die richtige Technik rausgefunden haben... Den Pflegern dauert es wohl zu lange, weshalb sie nach etwa einer Stunde Stuhlschippen die Mistgabel übernehmen. :) Wir werfen das durchnässte Stroh nun auf den Misthaufen und kehren anschließend das noch trockene Stroh zusammen... Den Elefanten kommen wir eigentlich gar nicht nahe, denn die sind längst auf dem Weg zu ihrem "Job". Und so machen wir uns gegen acht mit der Hoffnung, am Nachmittag mehr von ihnen zu haben, auf den Weg in unsere Unterkunft. Dort erwartet uns schon das Frühstück... Uns wird ne Packung Kekse vor die Nase gestellt. Nachmittags waren wir uns dann wieder auf den Weg... Die Elefanten führen zu dieser Zeit noch die letzten Tagesgruppen durch den Dschungel, weshalb wir schon mal damit anfangen, das Abendessen vorzubereiten. Wir helfen einem besonders süßen Pfleger dabei, die Elephantcookies herzustellen... Hierfür wird Stroh zu einem Körbchen gelegt, in welches dann getrockneter Reis gefüllt wird. Anschließend wird das Körbchen mit einem weiteren Stängel Stroh so geschlossen, dass es aussieht wie eine Schleife :) Essen mit Stil!!! Gegen halb sieben kehren die Elefanten mit ihren Reitern dann nach dem 12-Stunden-Tag müde zurück... Sie hauen cookietechnisch dann ordentlich rein und verputzen somit täglich etwa 100kg Stroh-Reis-Gemisch! Um 7 Uhr ist es bereits dunkel, sodass wir zu unserer Unterkunft zurückkehren müssen. Dort gibt es die versprochene Abendmahlzeit: Dal Bhaat :) Allerdings hätten wir gerne früher gewusst, dass unsere Portion vorportioniert wird und somit jeder ne gute Handvoll Reis vor die Nase gestellt bekommt... Das war er also, unser erster Arbeitstag. Um ganz ehrlich zu sein, haben wir auf den nächsten nicht so viel Lust... Nicht etwa, da wir uns zu gut zum Ausmisten sind, sondern, weil unsere Erwartungen und Wünsche wieder einmal nicht erfüllt werden und die Enttäuschung über dieses Freiwilligenprojekt erneut tief sitzt... Wir erwarten nicht viel von unseren Unterkünften oder den Mahlzeiten! Aber die 9€ für eine Stehtoilette, die sich hinter dem Haus befindet, Kekse zum Frühstück und vorportionierten Reis... Wir sind etwas wütend... :/ Vor allem auch darüber, dass der Organisationsvorsitzende  keines seiner Versprechen gehalten hat... Es ist wirklich sehr schade, dass wir uns die nächsten Tage zum Projekt zwingen müssen und keinen Spaß dabei haben, immer nur die Cookies vorzubereiten... So verläuft also jeder Tag wie der davor... 
Doch trotz Sprachbarriere, finden wir die Arbeiter auf der Farm total liebenswürdig und hilfsbereit! :) Besonders süß und lustig ist der etwa 10-jährige Junge, der seltsamerweise immer auf der Farm ist... Auch er hilft hier beim Arbeiten. Wir fragen uns, ob er nicht zur Schule geht und erfahren, dass sein Vater, der hier als Elefantenreiter arbeitet, die Hälfte seines ohnehin schon geringen Monatslohns für Alkohol ausgibt... Somit bleiben keine 10$ pro Monat übrig, um dem Jungen die Schulausbildung zu bezahlen... Uns macht es sehr betroffen, zu sehen, dass er kein Wort Englisch spricht und versteht, denn wie soll er später eine Arbeit finden? - 
Froh sind wir, als wir am Freitagmorgen mit dem Ochsenkarren durch das irgendwie immer schläfrige Sauraha zum Buspark grooven und nach einem Monat, in dem wir Kathmandu den gekehrt haben, zurück "nach Hause" kommen. :) Auch wenn unsere kleine Rundreise ein etwas doofes Ende durch die missglückte Zeit auf der Elefantenfarm fand...so sagen wir doch beide, dass der Monat Rundreise sehr erlebnisreich und unvergesslich war :)

Das ist der Weg, den wir morgens gelaufen sind 

Wasser für die Elefanten :) 

Hier ist der Babyelefant mit seiner Mutter zu sehen... 

Die Farmarbeiter beim Arbeiten 

So sitzen wir nachmittags am Boden und bereiten die Elefantencookies vor :) 

Bevor wir diesen Blogeintrag beenden, möchten wir euch noch eine Sache ans Herz legen: Solltet ihr mal in einem Nationalpark oder sonst wo die Möglichkeit haben, einen Elefantenritt zu unternehmen, dann tut es nicht, auch wenn die Vorstellung noch so traumhaft ist... Wir haben gesehen, wie die Tiere behandelt werden... Schläge stehen leider an der Tagesordnung. Vor allem aber handelt es sich bei den Reittieren oft (so war es zumindest auf unserer Farm) um ehemals frei lebende Tiere. Sie wurden in Freiheit im Dschungel geboren, kamen dann in die Fänge von Wilderern, leben heute in Gefangenschaft und besuchen ihre Heimat nur noch, um Touristen zu führen, die von all dem keine Ahnung haben... Das ist wahnsinnig traurig und sollte bitte bitte nicht unterstützt werden...

So, ihr Lieben :) Das war's vorerst von uns... Das war unsere Zeit im Chitwan-Nationalpark im südlichen Nepal! Über die Zeit auf unserer nächsten großen Reise (diemal ein gaaaanzes Stückchen weiter weg!) berichten wir Euch im nächsten Eintrag, der ebenfalls ein Nachtrag ist (Oh Gottogott!) und somit ganz bald folgen wird :)
Bis dahin hoffen wir, dass ihr eine tolle Zeit habt :)
Peace out!
   




Samstag, 14. Februar 2015

In Pokhara - Teil 2

-> "Fliegen wie ein Vogel"
An diesem Tag wachen wir beide besonders gut gelaunt auf! Grund: Der höchste aller Höhepunkte in Pokhara findet heute statt. Wir werden Gleitschirm fliegen mit der tollsten Kulisse vor Augen: Dem Annapurna- Massiv. Also, wie beginnt solch ein guter Tag? Klarer Fall! Mit einem ordentlichen Frühstück! Als wir alles aufgeputzt haben, fragen wir uns, ob das wirklich so eine gute Idee war...denn uns beiden ist schon ein wenig schlecht vor Aufregung. Eine Stunde warten folgt in dem Büro der Paraglider- Gesellschaft. Naaa toll. Spannender geht's auch nicht! Glücklicherweise verrät uns die Dame hinter der Theke das WLAN Passwort und wir können noch etwas "suchten", wie wir es gerne ausdrücken. Eine gute halbe Stunde später tauchen unsere Piloten. Sie gehören ganz verschiedenen Nationalitäten an. So gibt es beispielsweise eine finnische Pilotin, einen Spanier, einen Venezolaner aber natürlich auch jede Menge Nepalesen. Als alles gepackt ist, sitzen wir in den Jeep, der uns auf den Berg Sarangkot bringt, von dem wir uns "stürzen" werden. Aktuelle Stimmung: Nervosität und jeeeede Menge Vorfreude! :) Puls: 180..Mindestens! Oben angekommen geht alles ratzfatz. Lara wird dem  Venezolaner Roland zugeteilt und Ronja nimmt mit dem nepalischen Bijay (Standart Nepaliname Nummer 1 :D) vorlieb. Die Gleitschirme werden ausgebreitet und wir werden erst selbst vergurtet und anschließend glücklicherweise auch noch mit dem Piloten :P.  Nun macht der Pilot die wichtigste Anweisung für einen guten Start: "Bei der nächsten Windböe gebe ich dir Bescheid und du rennst diesen Berg so schnell wie möglich mit mir hinunter." Natürlich fragen wir beide uns was passiert, wenn wir stolpern...Denn auf der Verpeiltheitsskala sind wir ziemlich weit oben anzutreffen, wie ihr wisst! :D Wenige Minuten später meint der Wind es gut mit uns, wir beide starten ohne Hindernisse und verfahren nach Motto "Renn oder stirb!" Was folgt ist großes Staunen und ein außerordentliches Hochgefühl! So müssen sich Vögel fühlen. Ein Gefühl grenzenloser Freiheit macht sich breit...
Während dem Flug werden etliche Fotos von uns gemacht und Videos gedreht. ( Diese sind leider auf einer CD, weshalb wir sie euch hier nicht zeigen können). Adler fliegen mit uns auf gleicher Höhe und uns fällt nun erst so richtig auf, wie groß sie doch eigentlich sind! Nach etwa einer halben Stunde und kurz vor der Landung fragen uns die Piloten, ob wir Lust auf etwas Luft -Akrobatik haben. "Jaaa?" Sagen wir beide, unsicher darüber was folgt. Und wirklich, die Piloten lenken den Schirm so, dass er schneller an Höhe verliert, was wirklich ein Kribbeln im Bauch verursacht! Wenig später landen wir ganz behutsam und der Boden unter uns scheint ungewöhnlich standhaft,  das Element Erde scheint uns kurz fremd zu sein. :) Deshalb einigen wir uns beide erstmal auf einen zuckersüßen Mangosaft.  Danach ist uns schon gleich nicht mehr so schummrig, aber voller Adrenalin sind wir immer noch. Wir sind uns einig: Das war nicht das letzte Mal!!

-> "Bat Cave"
Heute nehmen wir es mit einem Local Bus auf. Denn wir beide wollen eine Fledermaushöhle besuchen, die etwas außerhalb von Pokhara liegt. Eine holprige Strecke folgt, welche von wenig Platz (schlimmer als die Schulbusse inReutlingen,Leute! :P ), indischer Musik und einigen interessierten Nepalis besteht. Dort angekommen laufen wir noch etwa einen Kilometer, dann sind wir endlich dort. Ein Führer führt uns durch die Höhle und zeigt uns die Fledermäuse, die dort an der Decke hängen. Wir sind erstaunt über die große Menge, die in dieser kleinen Höhle wohnt. Auf dem Rückweg zum Localbus hält unerwartet ein Auto neben uns, bestückt mit vier Nepalesen. "Ey wollt ihr ein Stück mitfahren Mädels?" Wir schauen uns mit großen Augen an, dann dreht Lara sich ungläubig zum Fahrer um. " Du hast gerade nicht Deutsch gesprochen oder?" - "Doch, ich hab da mal gelebt" , antwortet der Mann stolz. "Sachen gibt's", denken wir beide, lachen und lehnen das Angebot dankend ab.

Der Eingang zur Höhle...

...mit Hunderten von Fledermäusen im Inneren :)

-> "Auf ins Tibet Nepals!"
 Als wir die Ziele unserer Rundreise festgelegt haben, haben wir beide gesagt, dass wir wahnsinnig gerne nach Tibet reisen würden... Die Recherche im www ergab dann aber leider, dass eine Tibetreise von Nepal aus nur in einer Gruppe von mindestens drei Personen möglich ist. Und von den Visabestimmungen fangen wir lieber gar nicht erst an...
So wie immer kam es dann zu einer außerplanmäßigen Planänderung. :D Die Devise lautete: "Ein bisschen Tibet werden wir wohl auch in Nepal finden!" Und so kam es, dass wir auf eine Organisation gestoßen sind, die Tagestouren in tibetische Flüchtlingslager anbieten. Thupten, waschechter Tibeter, ist Chef der Organisation und erhofft sich, durch seine Touren Tibets Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen...
Das erste Mal seit...ner halben Ewigkeit (!!!)... klingelt am Freitagmorgen unser Wecker. Um 5:30 Uhr. Nix da von wegen "Morgenstund hat Gold im Mund". Extrem müde und dementsprechend pissig stehen wir wortlos auf und werfen einen Blick in unseren auswahlreichen Kleiderschrank: das Einzelbett gegenüber unseres Doppelbettes. Um sechs holt Thupten uns mit einem Fahrer ab. Station 1: Es geht hoch hinaus (gut, auf 1800m...) nach Sarangkot, wo wir den Sonnenaufgang anschauen werden. Etwa 100m unterhalb des Gipfels steigen wir aus und erklimmen die letzten Stufen zu Fuß... Hier stehen tatsächlich einige Nepali, die schon vor sechs Uhr den Berg bestiegen haben, um nun Tee zu verkaufen! :) Mit einer Tasse zuckrigen Schwarztee in der Hand stehen wir nun am Gipfel und genießen den Blick auf das Gebirgsmassiv... Klar weiß jeder, dass der Himalaya das "Dach der Welt" ist...aber tatsächlich mittendrin zu sein...dass ist etwas ganz Anderes!:) Es ist bereits hell, obwohl die Sonne noch gar nicht "aufgegangen" ist. Wir philosophieren darüber, warum es eigentlich AUFGANG der Sonne heißt... Und dann sehen wir das berühmte Postkartenmotiv: die ersten Sonnenstrahlen tauchen den Gipfel des Machhapuchhare in rosa Licht :)
Nach dem Sonnenaufgang fahren wir in eines der tibetischen Flüchtlingslager und frühstücken in einer lokalen Familie. Thupten erzählt uns, dass Tibeter einen ganz besonderen Tee trinken, den wir auch gleich probieren werden: gesalzenen Buttertee. Wir nehmen einen Schluck des Gebräus... Es schmeckt säuerlich und salzig zugleich... Thupten lacht, als er unsere Gesichter sieht und bietet uns glücklicherweise Schwarztee an :D In Tibet wird der Buttertee aus einem ganz praktischen Grund in Unmengen getrunken: Das darin enthaltene Fett braucht der Körper, um der lähmenden Kälte im hohen Gebirge zu trotzen. Tibeter warten, bis sich die Butter im Tee abgesetzt hat und verwenden diese dann als Hautcreme. Für uns ist das wieder einmal unvorstellbar... Zu essen gibt es tibetische Teigfladen und eine Art Brei, der aus Maismehl und Buttertee zusammengerührt wird. Nach dieser Stärkung geht's weiter...
Wieder verschlägt es uns in ein tibetisch-buddhistisches Kloster, wo wir an einem Dharma-Talk teilnehmen. Für den sprechenden Mönch steht fest, dass irgendwann der Tag kommt, an dem er sagt: Im Kloster wars ja ganz nett, aber jetzt hau ich aufn Putz! :D Ein sehr lustiger Dharma-Talk ist das hier!
Jetzt geht es in ein weiteres tibetisches Flüchtlingslager... Das Dorf befindet sich hinter einem Tor, ist ziemlich isoliert. Hier leben an die 300 Menschen, sie verwalten sich selbst. Da Tibeter in Nepal kein Visum bekommen, haben sie auch keine offizielle Arbeitserlaubnis, weshalb sie im Dorf kleine Geschäfte eröffnen, oder selbst angefertigten Schmuck an den Straßen der Touristenhochburgen verkaufen. In diesem Dorf gibt es auch eine kleine Schule... Doch nach dem erfolgreichen Schulabschluss stellt sich bei den meisten Jugendlichen häufig Perspektivenlosigkeit ein: Bildung haben sie, doch was nützt es ihnen, wenn sie nicht studieren oder eine Ausbildung machen dürfen? Meist arbeiten sie dann in kleinen Handarbeitswerkstätten in ihrem Dorf. In einer solchen Werkstatt sind wir nun... Hier werden tibetische Nudeln hergestellt, es riecht fabelhaft!:) Eigentlich sollten wir bei der Herstellung der Teigwaren helfen...doch momentan fließt wieder kein Strom, weshalb die Maschinen lahmgelegt sind... Deshalb geht es für uns gleich ins dritte Lager!
In diesem größten Flüchtlingslager besuchen wir ein Krankenhaus, das die traditionelle tibetische Medizin anwendet. Wir treffen eine junge Ärztin, die uns erzählt, dass man für diese Art der Medizin nicht nur Medizin, sondern auch den tibetischen Buddhismus studieren muss. Tibetische Medizin beruht also nicht auf den Grundlagen der klassischen Schulmedizin, sondern beschäftigt sich mehr mit "inneren Signalen" des Körpers, Astronomie und Astrologie. So spielt beispielweise die Planetenkonstellation unserer Galaxie zum Zeitpunkt unserer Geburt eine bedeutende Rolle dafür, für welche physischen und psychischen Krankheiten wir im Leben anfällig sind. Ob Hokuspokus oder nicht... Wir finden die Gespräche mit der Ärztin sehr interessant! :)
Der vorletzte Stop der Tour ist das Mittagessen in einer anderen tibetischen Familie... Ebenfalls wie Nepali essen Tibeter viel Reis, Linsen und sämtliche Gemüsecurrys. Dazu werden Dumplins serviert; das sind hefekloßartige Teigknoten... Sehr sehr fein ist das! :)
Am Ende unserer Tour besuchen wir die Webwerkstatt einiger Frauen. Sehr alte Frauen sitzen vor einem Gebäude, schwatzen über den neusten Klatsch und Tratsch des Dorfes und bereiten die Yakwolle für das Weben der Teppiche vor... Nachdem die Wolle nach Farben sortiert ist, wird sie gekämmt und anschließend um große Spindeln gelegt. Im Inneren des Gebäudes sind riesige Websysteme, vor denen Frauen sitzen und verschiedenste Teppiche anfertigen... Für einen einfachen Teppich brauchen sie 1-2 Tage! Verkauft werden die Teppiche kaum noch...und falls doch, für einen Spottpreis, der überhaupt nicht in Relation zur Arbeit und Mühe steht...
Gegen ein Uhr ist die Tour zu Ende... Und wir auch. :D Thupten war ein großartiger Guide, hat uns so viel erzählt und erklärt... Dafür, dass es nicht ins "echte" Tibet ging, sind wir mehr als zufrieden



Die Sonne geht auf... :) 

Frischer als eh und je... Vor dem Machhapuchhare :) 

Frühstück in der local Family 

Feinster Buttertee... :D Gönnt man sich gerne. 

Die Nudelwerkstatt 

Hier werden die Nudeln getrocknet... 

Vor der Webwerkstatt 

Hier werden die Teppiche geknüpft 



-> "Kino unter dem Sternenhimmel"
In Pokhara gibt es eine ganz besondere Attraktion: Ein Freiluftkino! An zwei Abenden sind wir eine gute Stunde zum Movie Garden gelaufen, haben keine 3 € Eintritt gezahlt und uns mit Decken unter den Sternenhimmel gesetzt... Mit Blick auf den Fewasee und die riesige Leinwand haben wir den Abend total genossen :)

Hier ist er... Der Movie Garden :) 


-> "Zu Gast auf einer Hinduhochzeit!"
Durch Zufall erfahren wir von einer Hinduhochzeit im Park ganz in der Nähe unseres Guesthouses. Diese Zeremonie wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen!
In einem unserer ersten Blogs haben wir euch mal erzählt, dass 70% aller Heiraten in Nepal arrangiert sind... Und so auch diese. Die Braut sieht sehr sehr jung aus, ihr zukünftiger Ehemann ist um einige Jahre älter. Sie sitzen beide auf zwei geschmückten Stühlen, starren beide auf den Boden und sind barfuß. Die Braut trägt einen wunderschönen roten Sari, einen leichttransparenten roten Schleier über dem Gesicht und sehr viel kostbaren Schmuck. Sie sitzt aufrecht, wirkt sehr angespannt... Wir betrachten sie näher und sehen, dass sie sich zusammenreißen muss, um nicht zu weinen... Heute ist für sie nämlich der Tag an dem sie ihre Familie verlassen und in die Familie ihres Ehemannes ziehen muss... Der Bräutigam trägt einen Anzug und die typische hinduistische Kopfbedeckung. 
Es folgt eine ziemlich langwierige Zeremonie: Jeder Verwandte und Bekannte tritt einzeln nach vorne und steckt meist nur dem Bräutigam einige Geldscheine zu. Dann verpasst jeder dem Brautpaar die Tikka aus dem roten Pulver, wäscht die Füße des Paares und küsst diese anschließend. Es dauert wirklich lange, bis alle Verwandte dieses Ritual durchgeführt haben.
Wirklich romantisch ist diese Zeremonie nicht, denn den Gästen wird es schnell langweilig sobald sie dem Brautpaar viel Glück gewünscht haben. Es wird gequatscht und dem Prediger, der unentwegt Schriften vorliest beziehungsweise -singt nicht zugehört...
Anschließend wird ein großes weißes Band um das Brautpaar gelegt. Sie geben sich nun die Hände, ehe der Bräutigam das Band durchschneidet... Alle klatschen, denn nun gelten die beiden als offiziell verheiratet :)
Für uns zwei ist diese Hochzeitszeremonie etwas ganz Neues! Anfangs fanden wir arrangierte Heiraten noch sehr schlimm, konnten uns das gar nicht vorstellen... Mittlerweile jedoch haben wir uns daran gewöhnt, dass das hier nun mal so ist. Den Menschen geht es damit auch nicht schlecht, sie kennen es nicht anders und haben zu Beziehungen ohnehin ganz andere Meinungen als wie "westernized people"... Wieder einmal sind wir von der vielseitigen und so interessanten hinduistischen Kultur gefesselt :)

Blick auf die Braut und den Bräutigam... 

Hier verpasst ein Verwandter der 

-> "Auf der lokalen Kaffeefarm..."
Durch eine witzige Geschichte haben wir von einer Möglichkeit erfahren, den Bewohnern Nepals noch näher zu kommen und hautnah Einzug in deren Kultur zu erhalten :)
Morgan und Tiana, die beiden Kanadierinnen, sind zufällig auf einen Blog gestoßen, der von einer Kaffeefarm in der Nähe Pokharas erzählt. Auf dieser Farm in den Bergen des Begnas Tal können Freiwillige bei der Kaffeebohnenernte helfen! 
Also rufen wir den Farminhaber an und fahren einige Tage später los... Zwei Tage wollen wir auf der Farm bei der Arbeit helfen, ehe es für uns weiter in den Chitwan Nationalpark geht :) Unser Gepäck können wir in einem günstigen Guesthouse in Central Lakeside lagern, sodass wir nur das Allernötigste am Montagmorgen mitnehmen müssen. Etwa drei Stunden dauert die Fahrt in das nur wenig Kilometer entfernte Begnas Tal. In den Bussen ist es stickig, stinkig, voll und laut... Indische Musik schallt durch den überfüllten Bus... Je weiter wir durch ärmere Gegenden fahren, umso holpriger werden die Straßen... Und da wir in der letzten Reihe des Busses sitzen (hier sitzen schließlich nur die Coolen :D), haben wir ganz besonders viel Spaß und werden regelmäßig in die Luft katapultiert. :D Bus Nummer 3 fährt nur zweimal täglich hinauf, dorthin, wo die Kaffeefarm liegt. Deshalb schlingen wir unser Dal Bhaat für 1,20€ auch mega schnell runter und bekommen den Bus gerade noch rechtzeitig. Scheinbar endlos schlängelt sich der tuckernde Bus die enge Steige hinauf, neben uns geht es tieeeeeef hinunter... Tatsächlich findet sich im Bus eine Person, die Englisch spricht und uns nach etwa einer Stunde deutlich macht: "You have to geht out here!" - Wir steigen aus und sind im Nirgendwo. Dann laufen wir in den Hof der Farm und eine sehr schöne, freundlich lächelnde Frau kommt uns entgegen: "Namaste!" Sie stellt sich uns als Ama vor, was auf Nepali 'Mama' heißt. Ihr Mann ist der Inhaber der Farm, heißt Surya, möchte aber Babu, also 'Papa' genannt werden:) Zurzeit ist nur ein weiterer Freiwilliger auf der Farm: Jordas ist 30 Jahre alt und kommt aus Holland. Er zeigt uns den Gemeinschaftsschlafsaal... Es ist eine Art Scheune mit mehreren Holzpritschen, Lehmboden und löchriger Ziegelsteinmauer. Er eröffnet uns gleich, dass nicht nur wir drei hier oben hausen werden, sondern auch nette kleine Tierchen wie Ratten und Mäuse :) Ronja spricht das aus, was wir beide denken: "Wir schlafen im selben Bett." 
Jordas zeigt uns den Rest der Edelimmobilie: die Dusche ist eine Regentonne, es gibt eine Nepalitoilette (ihr wisst schon, diese Löcher im Boden...) für die gesamte große Familie.
Wir freuen uns darauf, gleich bei der Ernte zu helfen... Doch wir erfahren, dass die eigentliche Kaffeebohnenernte schon vorbei ist und wir eigentlich keine wirkliche Aufgabe haben... Schon wieder eine außerplanmäßige Planänderung. Langweilig ist es dennoch nicht, denn einmal im Jahr findet hier ein Hindufestival zu Ehren von einem der Millionen hinduistischen Götter statt! Und dieser Tag ist genau heute! So sitzen wir also stundenlang auf dem Lehmboden und beobachten das Geschehen: Die Familie hat eine Art Baldachin aus Sträuchern errichtet, darunter werden andere Sträucher und zahlreiche Nationalblumen angezündet, der Rauch steigt in die Luft und beräuchert alles. Eine Schale mit dem roten Tikkapulver steht bereit, ebenso Früchte und Reisdonuts, die als Opfergaben dienen. Der Familienälteste predigt ununterbrochen auf Hindi... Wir würden gerne verstehen, was das alles hier soll, was eigentlich genau gefeiert wird... Doch keiner der Familie kann Englisch. Nur der älteste Sohn, der seit acht Jahren in Neuseeland studiert... Doch er ist ebenfalls mit Predigen beschäftigt, weshalb wir wohl nur weiter beobachten können... Jordas erzählt uns währenddessen, dass heute bis sechzehn Uhr gefastet wird und abends Familie und Freunde zur großen Party kommen! 
Um sechzehn Uhr gibt es dann wieder Dal Bhaat für uns... Diesmal ist der Reis aber in Büffelmilch gekocht, woran wir uns erstmal gewöhnen müssen. :D Nach nicht mal der Hälfte der Portion geben wir auf... Hätten wir gewusst, dass das das letzte Essen bis zum Mittag des nächsten Tages ist, hätten wir sicher mehr gegessen... Doch die Gewissheit, dass das wirklich die letzte Mahlzeit war, haben wir erst abends im Bett, als unsere Mägen krass knurren. 
Die Zeit bis zur "Big Party" nutzen wir, um uns etwas umzusehen: weit und breit nichts außer Ziegen, Hühner, Kühe und unberührte Natur :) Gegen sieben trudeln dann die ersten Gäste, die zu Fuß aus dem Tal und anderen Dörfern kommen, ein. Wir haben euch ja schon mal erzählt, dass es Nicht-Hindus nicht gestattet ist, hinduistische Tempel zu betreten... Umso mehr ehrt es uns, dass wir heute Abend hautnah an diesem Fest teilnehmen dürfen! :) 
Frauen und Männer sitzen hier strikt voneinander getrennt. Wir sitzen zwischen alten und jungen Frauen auf dem kalten Fußboden. An der Stelle an der nachmittags der Baldachin stand, liegt nun Stroh, auf dem die Männer sitzen. Mit sämtlichen Küchenzubehör fangen sie an, Musik zu machen... Erst dauert es etwas, bis sie sich auf einen Rhytmus einigen können, doch dann legen sie so los, dass man automatisch mit dem Kopf wippen muss :) Einige Männer singen auf Hindi dazu... Eine der Frauen macht den Anfang und beginnt zu tanzen: mit den Füßen stampft sie, die Arme lässt sie "fließen", als seien sie Schlangen... Alle klatschen und feuern sie an! Babu wünscht sich nun, dass auch wir tanzen... Wir stehen auf und lassen uns das nicht zweimal sagen! :D Und dann stampfen und tanzen und lachen wir hier... Inmitten dieser Hindugesellschaft, in einem gottverlassenen Dorf...in Nepal... Wieder mal ein Glücksmoment :)
Kurze Zeit später liegen wir todmüde im Bett, doch an Schlaf ist nicht zu denken. Schuld daran sind die Partypeople, die bis tief in die Nacht feiern... Und die Kälte, die uns schaudern lässt, obwohl wir eng aneinander gepresst unter zwei Schlafsäcken liegen... Und die Ratten, die ab und zu über den Boden wetzen... Und dann schnarcht Jordas auch noch :D Irgendwann in den frühen Morgenstunden schlafen wir jedoch endlich ein...um dann um sieben wieder aufzuwachen. Wir stellen nach dieser Nacht beide fest, dass das alles hier zwar wahnsinnig interessant ist, die Nacht aber so beschissen war, dass wir uns die zweite getrost sparen können. :D So beschließen wir, heute auf der Farm zu arbeiten und nachmittags die Rückreise anzutreten...
Hunger. Der Magen ist gääähnend leer, sodass wir uns sehr auf Büffelmilch-Dal-Bhaat zum Frühstück um elf freuen! Danach beginnen wir, Stroh für die Büffel aus einem etwa 4m hohen Strohballen zu ziehen. Wir schwitzen und das Stroh schneidet in unsere Hände... Ein Glück haben wir den starken Jordas an unserer Seite, der fleißig hilft :) Danach können wir dann doch noch ein paar vereinzelte, reife Kaffeebohnen ernten. Mit Eimern bewaffnet, wagen wir uns in das Dickicht: riesig ist die Plantage nicht, aber dennoch groß genug, dass es hier in der Hauptsaison einige zu tun gibt! Die reifen Kaffeebohnen sind rot. Nach der Ernte werden sie in einer Maschine gewaschen und anschließend von Hand geschält. Die frisch geschälten, hellgrünen Bohnen werden dann zum Trocknen in die pralle Sonne gelegt, weshalb sie nach und nach dunkler werden. Nach ein bis zwei Wochen rösten Ama und ihre älteste Tochter die Bohnen dann auf dem heimischen Gasherd. Verpackt und verkauft werden die Bohnen dann in Kathmandu. Ihr seht...für die Herstellung des schwarzen Goldes werden einige Wochen und wahnsinnig viel Mühe benötigt! Kein Wunder also, dass eine Kaffeebohne hier etwa eine Rupie, also etwa acht Cent, kostet... Auch wir merken, wie mühselig sich die Ernte gestaltet. Fast zwei Stunden brauchen wir zu dritt für knappe 2kg Bohnen! Entspannend ist die Ernte aber dennoch irgendwie... Es hat etwas Meditatives wie jeder von uns still ans Werk geht, Äste begutachtet und die Bohnen vorsichtig pflückt :)
Nach der Ernte wars das für uns auch schon... Wir warten etwa eine Stunde auf den Bus, ehe es ebenso holprig und laut wie am Vortag zurück nach Pokhara geht. Wir sind, obwohl es "nur" eine Nacht war, irgendwie wieder froh, unter Leute zu kommen... Zurück dorthin, wo das Leben pulsiert! ...oder zumindest etwas :D Die Erfahrung speichern wir trotzdem als einmalig ab!!! :)


Der Eingang zur Farm... 

Das Hindufestival! :) 

Die Wohnküche der Familie 


Und so wurden auch wir 'getikkat' :) 

Ronja in ihrem Raumschiff Surprise Anzug im Schlafsaal :D 

Haarige Mitbewohner über unserem Bett... 

Das Haus der Farminhaber 

Hier isser: der Strohkoloss! 

Hier werden die Bohnen gesammelt und anschließend geöffnet...

...hier nehmen Sie dann ein ausgiebiges Sonnenbad :) 

Jo... Das sind die Kaffeebäume :) 

->"Willkommen in Nepals Einwanderungsbehörde!"
Wir staunen immer wieder darüber, wie schnell die Zeit vergeht... Am 25. Januar ist es so weit: Wir müssen unser Visum verlängern, denn 90 Tage sind vorbei. 
So laufen wir mit dem Geldbeutel und dem Reisepass bewaffnet zum offiziellen Einwanderungsamt in Pokhara... Es gibt in ganz Nepal zwei dieser Ämter: eines ist in Kathmandu, das andere in Pokhara. Natürlich ist uns bewusst, dass dieses Amt nicht mit dem Nepalesischen Konsulat in Stuttgart vergleichbar sein wird... Aber uns haut es fast aus den Socken, als wir dort ankommen: Die Beamten im Amt sitzen vor dem Gebäude, lesen Zeitung oder mampfen Mandarinen. Wir werden in ein anderes Gebäude geschickt, in dem wir die elektronische Visaverlängerung ausfüllen sollen... Dieses Gebäude stellt sich als umgebaute Garage heraus, in dem ein 19-jähriger Knabe sitzt und das Formular für uns ausfüllt. Wieder zurück werden wir zur Kasse gebeten... Der Tag kostet 2 US $. Und hier wird ernsthaft davon ausgegangen, dass man so viel Bargeld dabei hat! Wirklich überall kann man in Nepal mit der Kreditkarte zahlen... Doch in diesem Amt? Fehlanzeige. :D Ist ja nicht so, als wäre der nächste Bankautomat 30 Gehminuten entfernt. 
Willkommen in Nepals Einwanderungsbehörde!!! ...aber egal. Unser Visum haben wir nun :)

Sooo. Ihr fleißigen Menschen habt jetzt volle Arbeit geleistet, falls ihr bis hierhin gelesen haben solltet. :D Jetzt machen wird auch ganz kurz... Wir hoffen, dass wir diesmal schneller in die Pötte kommen und euch schon bald vom Chitwan Nationalpark berichten können :)
Bis dahin... Macht es gut! :)